Peter

Einer von uns

Peter und Gisela im Marktwagen. Foto: M.Kluge

In einer neuen Serie stellen wir von der Fleischerei Kluge unsere Mitarbeiter (m/w/d) vor. In ganz exklusiven Portraits. Die Menschen, die bei uns arbeiten, haben ein Leben, in dem es nicht nur um die Wurst oder um die Vorzüge von NEULAND geht. Wir wollen ganz bewusst ihre private Seite in den Fokus stellen. Im Handwerk wiegen Vorurteile schließlich schwer, die gilt es zu entkräften. Zuletzt hatten wir selbst noch in unserer Stellenanzeige gejuxt, wer zu uns komme, müsse nicht schreiben können. Da meldete sich zu Recht einer von uns und protestierte vorsichtig. Einer, der früher vom Schreiben gelebt hat. So entstand die Idee zu dieser Serie. Und der Protestler selbst macht den Anfang: der Mann, der aus der Kälte kam und sich darum wahrscheinlich in unserem Kühlraum so wohl fühlt. Hier also die Geschichte von Peter dem Finnen:

Der leidenschaftliche Wanderer Peter landete bei uns.

Die Anfänge

30 Jahre seines Lebens hat Peter in Skandinavien verbracht. Gebürtig ist er aus Mönchengladbach. Damit seine drei in Finnland geborenen Kinder auch mal Deutsch lernen, ließ er sie ein Jahr im Neuköllner Donaukiez zur Schule gehen. Von daher kannte er die Fleischerei Kluge schon von früher – als Kunde. Lange bevor er bei uns anfing. Mittlerweile studieren seine Kinder, der älteste will Journalist wie der Vater werden und tritt in Finnland in dessen Fußstapfen.

Karte von Finnland

Peter ist zum Jahresbeginn 2020 zum zweiten Mal in seinem Leben ausgewandert. Diesmal nach Berlin. Das war kein Zurück in sein Heimatland, denn seine Heimat war mittlerweile Finnland geworden. In einer Zeit, als es  noch die Berliner Mauer gab, ist er der Liebe wegen in den hohen Norden ausgewandert. 20 Jahre hat er fürs staatliche finnische Fernsehen und Radio gearbeitet, als Kulturredakteur. Er sei ein Kind von Willi Brandt, sagt er. Er kommt aus dieser Ära und kehrte jetzt in ein ganz anderes Land zurück. Er war der erste in seiner rheinländischen Arbeiterfamilie, der Abi gemacht und dann studiert hat. Zum Studium führte es ihn in den 80er Jahren nach Tübingen. Mit Jura fing er zur Freude seiner Eltern an, sattelte dann aber auf Germanistik, Skandinavistik und Rhetorik um. Walter Jens war sein Prof. “Eine Menge habe ich damals gelernt, auch wenn meine Eltern fortan nicht mehr so zufrieden mit mir waren.”

Koreanisch?

Als er sich für Skandinavistik entschied, war er noch niemals im hohen Norden gewesen. In Tübingen hatte man eine große Auswahl an Sprachen. In der Schule war er, obwohl ein strebsamer Schüler, nicht so gut darin gewesen. In der Universitätsstadt hat er koreanisch, japanisch ausprobiert und ist dann bei schwedisch hängen geblieben. “Ich habe für mich entdeckt, dass es vom Rheinländer Platt zum Schwedischen nicht so weit entfernt ist.” Finnisch hat er dann erst in einem Auslandsemester in Turku (Finnland) gelernt. Dort verliebte er sich in eine Angehörige der schwedischen Minderheit und aus sechs Monaten wurde ein halbes Leben und drei Kinder. Er selbst spricht heute 6 – 7 Sprachen: holländisch, dänisch, schwedisch, finnisch, englisch, schwäbisch, lernt gerade auf dem Markt mit seinen französischen Kunden deren Muttersprache und spricht außerdem eben echtes rheinländisch mit Akzent. Das bringt ihm große Vorteile auf dem Markt ein. Die Bonner Minderheit in Berlin ist immer noch groß, so wie Berlin sowieso eine großartige Stadt ist: “New York sind nicht die USA, Berlin ist nicht Deutschland.” Dazu passt auch ein schwedisches Sprichwort: “Mit den Bauern spreche ich die Sprache der Bauern, mit den Gelehrten lateinisch.” Das Latinum hat er übrigens auch. Das wären dann jetzt schon zehn Sprachen … . Wie kommt so einer in eine Fleischerei?

Unser Marktgesicht

Jetzt ist Peter zusammen mit seiner Kollegin Gisela das Marktgesicht der Fleischerei Kluge. Er trägt sein Gesicht gerne zur Schau und keine Mütze, die Kälte aus Finnland hat ihn abgehärtet.

Wieso ausgerechnet Fleischverkäufer?” fragen ihn manche. Statt als Gelehrter am Schreibpult jetzt Marktschreier am Fleischstand? Er selbst hat keine Probleme mit Status. Er ist sich nicht zu schade und hat schon viele Jobs gemacht. Das Verkaufen liegt ihm. Schon als Jugendlicher hat er sich beim Bäcker um die Ecke Geld dazu verdient. Das Bäckerhandwerk hat aber seiner Meinung nach stark verloren, beim Fleischer dagegen geht es noch wie früher zu. Die Ware ist top, die kann er guten Gewissens verkaufen, sagt Peter. Im letzten Jahr sah er bei Kluge den Aushang im Fenster, dass Arbeitskräfte gesucht würden, und sich sofort angesprochen gefühlt. Mit Meister Kluge wurde er sich schnell einig, Reisen, Fußball und Arbeitsmoral, waren direkt Gemeinsamkeiten und beide fanden einen Draht zueinander. Peter wurde mit offenen Armen in den Familienbetrieb aufgenommen.

Neben dem verkopften Schreibhandwerk legt Peter Wert auf Körpereinsatz. Seine Freunde bewundern seit kurzem seine muskulösen Oberarme und fragen sich, wie er trotz Lockdown im Fitnesscenter trainieren konnte. Dabei kommen seine Muckis vom täglichen Heben der Fleischgewichte. Denn so ein Krustenbraten hat es durchaus in sich, wenn man ihm beim Bedienen mehrmals täglich aus der Auslage heben muss. Die Vorbereitung der Theke im Verkaufswagen kostet etwa zwei Stunden Vorbereitungszeit, da wird viel gehoben. Das kann kein Fitnessstudio leisten.

Wie schmeckt Elch?

In seiner Freizeit schreibt Peter immer noch für finnische Zeitungen. Wenn er kann, macht er Urlaub. Low-Budget-Urlaub. Im letzten Jahr trieb es ihn an die Ostsee. Er hat mit seiner Freundin die Rigaer Bucht durchwandert und die beiden sahen bisweilen drei Tage am Stück keine Menschenseele. Seine Kolleginnen und Kollegen vermuten, dass der anekdotenfreudige Peter irgendwann ein Buch schreibt und sie sich dann darin wiederfinden werden.  Das ist nicht ausgeschlossen, wir halten Sie auf dem Laufenden.

Skandinavien

Als nächstes planen wir ein paar nordische Rezepte auf unserer Webseite mit Peter zusammen zu erstellen. Denn die Corona-Zeit hat vor allem junge Leute zum selber Kochen bewegt und am Marktwagen finden dadurch viele Expertengespräche statt. Wie man Fleisch am besten verarbeiten kann, wie man im Wok kocht, ob Elchzunge vom Geschmack her mit Rind zu vergleichen ist. Da ist Peter voll in seinem Element – in allen Sprachen, die er spricht, auf alle Fälle in der seiner Kunden und Kundinnen. In kürzester Zeit hat Peter bei uns die Hintergrundinfos zum Fleischerhandwerk in sich aufgesogen. Er hat das Handwerk von der Pieke auf lernen müssen. Seine rhetorischen Fähigkeiten und seine Anpassungsfähigkeit, sein rheinländisches Gemüt haben es ermöglicht, dass er den Quereinstieg erfolgreich gemeistert hat. Wir sind froh, dass Peter einer von uns geworden ist.

Einblicke

Da spring ich auch schon mal zur Abkühlung in einen eiskalten See auf 2000 Meter Höhe
Wintersport in allen Variationen. Am Liebsten in Finnland. Hier auf einer Schneeschuhwanderung im finnischen Saariselkä. Weit nördlich des Polarkreises. Bei -25°.
Ich habe hauptsächlich Literatur studiert. Das sieht man in meiner Wohnung, die vollgestopft mit Büchern ist.
Mein coolstes After-Sauna-Picture. An einem einsamen See jwd in Mittelfinnland.

Peter Ironman

Unser Peter hat die nötige Portion Ironie und ist eindeutig aus Stahl. Was hat er in seinem Leben nicht schon alles gemacht. Als Quereinsteiger in seinem zweiten Berliner Leben – nach 30 Jahren Finnland – hat er sich zu unserem Marktgesicht entwickelt. Die Menschen hören ihm gerne zu, wenn er eine Anekdote zum Besten hält, und vertrauen ihm, wenn er sie zum Fleischwarenkauf berät. Als Journalist hat er alle Fakten zum Neuland-Fleisch parat und als Hobbykoch kann er auch noch wertvolle Tipps für die Zubereitung mit auf den Weg geben. Was will man mehr? Gerade in Pandemiezeiten ist Kochen wieder stark im Kommen. Esskultur aus zwei Ländern – aus seinen zwei Leben – kann der fröhliche Rheinländer gut verkaufen. Sie finden ihn regelmäßig auf unseren Marktständen am Südstern, am Maybachufer und in Onkel Toms Hütte.

Pilze sammeln ist ein weiteres Hobby von mir. Hier stehe ich im Finnischen Noux-Nationalpark vor den Toren von Helsinki mit einer Krausen Glucke. Sehr lecker.

Impressionen

Wanderurlaube. Ich bin auch schon den ganzen Camino durch Spanien gegangen. 750 km. Das Bild hier ist aus dem Großahrtal in Österreich.
Relaxen nach der Sauna. Auf den finnischen Åland-Inseln.
Warten auf die Fähre. Meine schöne alte Vespa, mit der auch längere Touren gemacht werden.

Emotionen

Ich bin in Mönchengladbach aufgewachsen und ein großer Fan von Borussia. Hier sitze ich auf den Stufen des alten Bökelbergstadions, das heute Park und Wohngebiet ist. Vor einem Spiel.
Bei der Arbeit. Ich habe einige Dokus gedreht. Hier bin ich auf einer Pilgerwanderung im finnischen Schärenmeer.
Beim Segeln in einem alten Holzsegelboot. Ansonsten ist das Seekajak mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel.
Ausflug zu den Pyramiden - ausgerechnet im Arabischen Frühling vor 10 Jahren.

Einblicke

Emotionen

Impressionen

Die Fotos auf dieser Seite hat uns Peter freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die Bildunterschriften sind auch von ihm.

Text&Bild-Redaktion: Jens Keller

Heiß geworden?

Die Fleischerei Kluge hat aktuell zwei offene Stellen anzubieten. Wir suchen einen/e

  1. kreativen Wurstmacher (m/w/d)
  2. Verkaufskraft (w/d/m)

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